Rettungsaktion für ein Bienenvolk

Datum: 8. Juli 2007 
Alarmzeit: 00:00 Uhr 


Einsatzbericht:

Am Samstag, 7. Juli 2007 haben Tobias Rothenburger und Heiko Schulz eine ganz ungewöhnliche Rettungsaktion glücklich zu Ende bringen können. In einem über einhundert Jahre alten Tulpenbaum, der gefällt werden musste, befand sich in gut 10 Metern Höhe im Stamm ein wildes Bienenvolk, das über ein morsches Astloch einflog. Nachdem eine Bergung der Bienen am noch stehenden Baum nicht möglich war, mussten wir das Risiko eingehen, dass das Nest durch den Sturz des Baumes zerstört würde. Der Baumfäller hat den Baum dann aber so geschickt gelegt, dass er sanft zu Boden fallen konnte. Das hatten die Bienen weitestgehend unbeschadet überstanden und so sahen wir uns einem neuen Problem ausgesetzt: Wie den gut drei Meter langen Abschnitt des riesigen Baumes heraus sägen, bergen und an einen geeigneten Standort im Wald bringen? Der Geschäftsführer des THW-Ortsverbandes, Andreas Haberer, konnte uns weiter helfen, denn tags drauf traten Tobias Rothenburger und Heiko Schulz mit schwerem Gerät auf den Plan. Mit einer beeindruckenden Gelassenheit und Ruhe, in harmonischer Team-Arbeit haben die beiden absolut kompetent alle auftretenden Probleme und Situationen souverän gemeistert. Und am Ende eines spannenden, für uns nervenaufreibenden Vormittags stand „unser“ Bienenvolk, das sich bei der gesamten Rettungsarbeit überaus friedlich und kooperativ verhalten hatte, mitsamt ihrem vertrauten „Haus“ am Rande einer Waldlichtung. Dafür gilt den beiden THW-lern unser Dank, unser Respekt und unsere Anerkennung. Es war geradezu genial, wie sie die Situation gemeistert haben.

Zwischenzeitlich haben wir auch die während unseres gescheiterten Rettungsversuches am stehenden Baum auf gesägte Frontseite des Nestes ersetzt und freuen uns am lebhaften Flug der Bienen an ihrem neuen Standort. „Warum dieser ganze Aufwand für ein gewöhnliches Bienenvolk?“, mag man sich fragen. Nun, die Bienen vermehren sich auf natürliche Art, indem sich ein Volk teilt. Die alte Königin zieht mit einem Teil des Volkes aus dem Stock, während eine neue Königin mit dem restlichen Volk und den gesammelten Vorräten zurückbleibt. Die ausgezogene Königin und ihr Volk sind in der heutigen Zeit praktisch dem Tode geweiht, wenn sie nicht das zweifelhafte Glück haben, von einem Imker eingesammelt und in einen seiner Stöcke einquartiert zu werden, oder eine natürliche Bleibe finden, wie die Bienen in diesem hohlen Stamm. In der heutigen Zeit gibt es aber äußerst selten Nistmöglichkeiten für Bienen. Alte, hohle Bäume werden gefällt und aus dem Wald geschafft. Wo also sollen sich die Bienen niederlassen. Umso erfreulicher war es, in dem Baum eins der wenigen glücklichen Völker gefunden zu haben. Die Bienen sind heute durch die in den 70er Jahren eingeschleppte Varroa-Milbe darauf angewiesen, dass der Imker das Volk regelmäßig behandelt. Geschieht dies nicht, nehmen die Parasiten überhand und töten seinen Wirt. Spätestens nach zwei bis drei Jahren geht das Volk zugrunde, wenn es nicht behandelt wird. Bei dem Versuch, das Volk am stehenden Baum zu retten haben wir die Vorderfront des Flugloches aufgesägt. Die Waben, die wir dabei vorfanden waren ganz eindeutig schon viele Jahre alt, was darauf schließen lässt, dass das Volk schon längere Zeit überlebt hatte. Ohne Hilfe eines Imkers.

Es stellt sich nun die Frage nach dem „wie“ – „Wie ist das möglich?“ Haben wir es tatsächlich mit einem starken, varroaresistenten Volk zu tun oder liegt die Ursache ganz wo anders? Womöglich an der direkten Nachbarschaft zu den Ameisen, die wir bei unserer versuchten Bergung am stehenden Baum aufgescheucht hatten. Benutzt doch der weitsichtige Imker zur Behandlung Ameisensäure…
Dieses Volk überraschte zudem selbst uns als „hart gesottene“ Imker mehrfach. Zum einen durch seine absolute Friedfertigkeit – bei der gesamten Rettungsaktion -ohne Schutzkleidung- stach nicht eine Biene! Zum anderen findet eine Biene ihr Zuhause nicht mehr, wenn dieses um nur einen Meter zur Seite verschoben wird. Sie wird verzweifelt am alten Platz suchen. „Unsere“ Bienen fanden ihr gestürztes Nest, welches sich nun nicht nur 10 Meter tiefer sondern auch 10 Meter seitlich verschoben befand, auf Anhieb wieder. Wir sahen keine Bienen, die verzweifelt den alten Platz umkreisten. Auch in dieser Hinsicht also ein außergewöhnliches Verhalten. An ihrem neuen Platz und mit ihrer neuen „Haustüre“ haben sich die Bienen rasch eingeflogen. Wir sind nun sehr gespannt, sie dort über längere Zeit begleiten und von ihnen lernen zu dürfen.

Wir danken dem THW Ortsverband Heilbronn und insbesondere den beiden Helfern sehr herzlich für den äußerst engagierten Einsatz.

 

Mannschaft: 0/1/1=2
Fahrzeug: LKW Ladekran
Geräte:  

Bericht: Silke Starzmann und Bodo Peter (Ehrenamtliche Fachberater für Hornissen- und Wespenfragen im Stadt- und Landkreis Heilbronn)

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