Sonderausbildung „Einsatz im Gleisbereich“ der Deutschen Bahn

Datum: 28. Januar 2013 
Alarmzeit: 23:00 Uhr 


Einsatzbericht:

Zunächst gab Jürgen Setzer einen allgemeinen Einblick in Struktur und Aufbau des Schienenverkehrs in Deutschland. Dabei stellt die Deutsche Bahn nur wenige der über 400 zugelassenen Eisenbahnverkehrsunternehmen dar. In zahlreichen Vorschriften wie dem Allgemeinen Eisenbahngesetz (AEG) sind die Vorgaben und Regelungen erfasst, nach denen der Schienenverkehr in Deutschland geregelt ist.
Dabei sind die Zuständigkeiten der jeweiligen Betreiber klar abgegrenzt. Die Notfallmanager der DB sind ausschließlich für das von der Bahn betriebene Schienennetz zuständig, andere Betreiber haben eigene Verfahren. In Heilbronn lässt sich dies konkret an der Vernetzung von Bahn und Stadtbahn zeigen. Die S-Bahn-Strecke von Karlsruhe nach Heilbronn ist bis zum Güterbahnhof in HN-Böckingen ausschließlich durch die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) betrieben. Im Bereich Güterbahnhof / Hauptbahnhof fährt die Stadtbahn (gegen Entgelt) auf Gleisen der DB und wenige Meter vor dem Bahnhofsvorplatz beginnt das Streckennetz der Stadt Heilbronn. Hier findet kein Eisenbahnverkehr im rechtlichen Sinn mehr statt, die Stadtbahn ist dann Straßenverkehrsteilnehmer mit allen Rechten und Pflichten.
Für das Verfahren bei Notfällen heißt das beispielsweise: Auf Gleisen der Deutschen Bahn nimmt der diensthabende Notfallmanager eventuell notwendige Erdungen der Oberleitungen vor, im städtischen Schienennetz wird dies durch die Berufsfeuerwehr durchgeführt.
Im Bezirk Heilbronn sind die Notfallmanager der Bahn im Schichtdienst rund um die Uhr einsatzbereit um im Ernstfall sofort an den Ort des Zwischenfalls zu gelangen. Vor Ort sind sie als Teil der Einsatzleitung weisungsbefugt, sie sind Fachberater und können jederzeit die Bahn-Notfalltechnik hinzuziehen. Dies sind Spezialisten mit Sonderzügen für Einsätze im Tunnel oder mit Kranzügen zur Wiederaufgleisung. Auch entscheiden sie über Streckensperrungen und die Aufhebung solcher.
Selbstverständlich sollen sie auch auf eine möglichst rasche Wiederinbetriebnahme der Strecke hinwirken, da die Auswirkungen einer Sperrung ungleich größer sind als im Straßenverkehr.

Auf der anderen Seite gibt die massive Gefahr für Leib und Leben der Einsatzkräfte, aber auch der Fahrgäste und des Bahnpersonals zu denken. In Deutschland werden streckenweise Geschwindigkeiten bis 300 km/h erreicht, dies entspricht 83 Metern pro Sekunde. Daraus ergeben sich äußerst kurze Reaktionsspielräume und Bremswege zwischen einem und drei Kilometern. Auch ist die Sogwirkung eines passierenden Zuges größer als man glaubt. Selbst in Heilbronn gab es schon Unfälle bei denen Kinderwägen und Handgepäck vom Sog ins Gleis gerissen wurden. Zudem haben Schienenfahrzeuge wegen ihrer Spurgebundenheit und der enormen Masse in der Regel keine Möglichkeit auszuweichen oder rechtzeitig anzuhalten. Des Weiteren sind die Oberleitungen mit 15.000 Volt Wechselstrom eine erhebliche Gefahrenquelle. Selbst eine abgeschaltete Leitung kann noch unter mehreren tausend Volt Spannung stehen. Regelmäßig kommt es zu Spannungs-Überschlägen, wenn der Mindest-Sicherheitsabstand von 1,5 m zur Oberleitung unterschritten wird. Aus diesem Grund stellt die Erdung einer beschädigten Leitung eine unabdingbare Notwendigkeit dar, bevor auch nur eine Einsatzkraft den Gefahrenbereich betritt.

Die Erdung von Oberleitungen, aber auch der Umgang mit Gefahrstoffwaggons kann an speziellen Übungszügen der Deutschen Bahn z.B. an den Landesfeuerwehrschulen geübt werden. Aber auch ohne solche Sondergeräte stellt die einsatzvorbereitende Ausbildung im Bereich Bahn einen notwendigen Focus dar. Durch das wachsende Verkehrsaufkommen im Schienenverkehr nimmt auch das Risiko ernster Zwischenfälle im Gleisbereich zu. Zu dieser Thematik stehen deshalb in diesem Jahr noch weitere Ausbildungsvorhaben an.

 

 

altaltalt

Bericht: THW OV Heilbronn – Jan Hasenfratz

 

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